Route 66 Motorradtour: Was Sie vorher wissen sollten 

Eine Route 66 Motorradtour von Chicago nach Santa Monica misst rund 2.448 Meilen, das sind etwa 3.940 Kilometer durch acht Bundesstaaten, und braucht realistisch zwei Wochen. Wer sie in sieben Tagen abreißt, fährt am Ende doch Interstate. Die Mother Road belohnt kein Tempo, sondern Umwege: verrostete Tankstellen, Diner mit Resopaltischen und Neonschilder, die erst bei Dämmerung ihren Sinn ergeben. 

Warum sich die Mother Road auf zwei Rädern anders anfühlt 

Im Auto ist die Route 66 eine Strecke, auf dem Motorrad ist sie ein Wechsel der Aggregatzustände. Sie riechen den Asphalt, bevor Sie die Hitze sehen, die über ihm flimmert, und Sie merken schon an der Luft, wenn hinter Amarillo die Prärie in die Hochebene von New Mexico kippt. Genau das ist der Unterschied, den Kunden nach der Rückkehr als Erstes erzählen. 

Es gibt Abschnitte, die für Motorräder gebaut scheinen, ohne es je gewesen zu sein. Der bekannteste liegt in Arizona: Die 42 Meilen des Route 66 Historic Back Country Byway zwischen Topock und Kingman führen über den Sitgreaves Pass nach Oatman, und das Bureau of Land Management empfiehlt dort ausdrücklich Automatikgetriebe wegen der steilen Anstiege. Fahrzeuge über 40 Fuß Länge dürfen den Abschnitt zwischen Golden Valley und Oatman gar nicht befahren. Wo der große Wohnmobil-Konvoi abbiegen muss, haben Sie die Serpentinen für sich, und das Magazin Roadtrippers zählt auf acht dieser Meilen 191 Kurven ohne Leitplanken. 

USA-Experten-Tipp: Planen Sie Oatman auf den Vormittag. Der Ort liegt am südlichen Ende der Byway, die Straße ist ganzjährig offen, und das BLM nennt Oktober bis April als beste Zeit für diesen Abschnitt. 

Wie lange dauert eine Route 66 Motorradtour wirklich? 

Die Angaben gehen auseinander, und das liegt am Anspruch. Sieben bis zehn Tage sind machbar, wenn Sie täglich mehrere hundert Meilen abspulen. Zehn bis 14 Tagen, je nach Anzahl der Stopps. Das Magazin Adventure Bike Rider hat für die reine Route 66 dann 14 Fahrtage gebraucht und kam auf einen Schnitt von 188 Meilen pro Tag, rund 300 Kilometer. 

Diese 188 Meilen sind die ehrlichste Zahl. Sie klingen nach wenig für einen Tag auf einer Harley, und sie sind es auch, solange Sie nur fahren. Sobald Sie anhalten, fotografieren, mit dem Betreiber eines Motels reden und die alte Trasse suchen, statt der Interstate zu folgen, ist der Tag voll. 

Die Strecke verteilt sich ungleichmäßig. Rider Magazine nennt 301 Meilen für Illinois, 401 für Arizona und ganze 13 Meilen für Kansas, das Sie an einem Vormittag durchqueren. Wer nicht die volle Distanz fahren will, nimmt deshalb eine Hälfte: Chicago bis Albuquerque als Osthälfte, Albuquerque bis Santa Monica als Westhälfte mit dem größeren Landschaftsanteil. 

Wann sollten Sie fahren? 

April bis Mai und September bis Oktober. Diese beiden Fenster nennt der Adventure-Bike-Rider-Bericht nach eigener Erfahrung, und die Begründung steht gleich daneben: Im August maß der Autor in der Mojave bis zu 50 Grad, kaufte unterwegs eine Mesh-Jacke nach und legte den Integralhelm zeitweise ab, weil ihm schwindelig wurde. Im Winter kippt es ins andere Extrem, in Chicago liegt dann Schnee. 

Rechnen Sie im Frühjahr und Herbst mit großen Spannen an einem einzigen Tag. Sie starten bei zehn Grad in der Hochebene von New Mexico und stehen nachmittags bei 30 Grad in der Sonne von Arizona, was die Kleiderfrage weiter unten zur wichtigsten Vorbereitungsfrage macht. 

Welchen Führerschein brauchen Sie, und ab welchem Alter? 

Ihr deutscher Führerschein der Klasse A reicht zum Fahren, aber er reicht nicht allein. Das Auswärtige Amt formuliert es so: Ein internationaler Führerschein wird in Verbindung mit dem nationalen Führerschein grundsätzlich empfohlen, in einigen US-Bundesstaaten ist er sogar Pflicht. Deutsche Führerscheine sind in den USA rechtlich nur geduldet, der internationale Führerschein nach dem Wiener Übereinkommen wird kulanzweise akzeptiert. Er kostet wenig, gilt drei Jahre und erspart Ihnen bei einer Kontrolle in Oklahoma die Diskussion. 

Bei der Miete kommen drei weitere Bedingungen dazu, die unser Partner Bike the Best für die Route-66-Touren nennt: Mindestalter 21 Jahre, mindestens ein Jahr Fahrpraxis und eine gültige Kreditkarte für die Kaution. Die Karte muss auf den Namen des Fahrers laufen, eine Debitkarte genügt in aller Regel nicht. 

USA-Experten-Tipp: Beantragen Sie den internationalen Führerschein früh bei der Führerscheinstelle. Er wird nicht sofort ausgestellt, und ohne gültigen nationalen Führerschein im Original nützt er Ihnen ohnehin nichts. 

Helmpflicht: In Illinois keine, in Kalifornien für alle 

Hier liegt der Punkt, den fast alle deutschen Reiseberichte übergehen. Es gibt in den USA keine bundesweite Helmpflicht, sondern acht Bundesstaaten mit acht Regeln, und Sie fahren auf dieser Tour durch alle acht. Illinois hat gar kein Helmgesetz, Kalifornien verlangt den Helm von jedem Fahrer und jedem Sozius. Dazwischen liegen Regelungen, die an Alter, Versicherungsnachweis oder einen Sicherheitskurs gekoppelt sind. 

Bundesstaat  Helmpflicht laut IIHS (Stand September 2026) 
Illinois  Kein Helmgesetz 
Missouri  Pflicht bis 25 Jahre; ab 26 ohne Helm nur mit Nachweis finanzieller Verantwortung 
Kansas  Pflicht bis 17 Jahre 
Oklahoma  Pflicht bis 17 Jahre 
Texas  Pflicht bis 20 Jahre; ab 21 ohne Helm nur mit Sicherheitskurs oder Krankenversicherung 
New Mexico  Pflicht bis 17 Jahre 
Arizona  Pflicht bis 17 Jahre 
Kalifornien  Pflicht für alle Fahrer und Beifahrer 

Die praktische Empfehlung ist trotzdem einfach: Helm auf, überall. Was rechtlich erlaubt ist, sagt nichts darüber, was Ihre Reiseversicherung nach einem Sturz in Oklahoma zahlt, und die Unterschiede zwischen den Staaten merken Sie sich im sechsten Reisetag garantiert nicht mehr. 

Was gehört ins Gepäck, was bleibt zu Hause? 

Der Klassiker unter den Fehlern ist die eine dicke Jacke. Auf 2.448 Meilen durch acht Klimazonen funktioniert nur das Zwiebelprinzip, und der Adventure-Bike-Rider-Bericht liest sich an dieser Stelle wie eine Warnung: Der Autor startete mit schwerer Ausrüstung und kaufte unterwegs eine belüftete Mesh-Jacke, weil die Hitze anders nicht auszuhalten war. 

Roadtrippers empfiehlt für die Tour konkret Kleidung in Schichten, Protektorenausrüstung, Regenzeug, beheizbare Kleidung für kalte Abschnitte, Wasser, Snacks und ein einfaches Bordwerkzeug. Der Adventure-Bike-Rider-Autor fuhr durchgehend in Stiefeln und Kevlar-Jeans und erlebte kaum Regen, hatte das Regenzeug aber dabei. 

  • Oben belüftet, unten geschlossen: Mesh-Jacke plus Regenkombi schlägt die eine Allwetterjacke 
  • Protektoren behalten: Hitze ist kein Argument gegen Rückenprotektor und Handschuhe 
  • Wasser als Pflichtgepäck: Zwischen Amarillo und Tucumcari liegen lange Abschnitte ohne Versorgung 
  • Kleines Bordwerkzeug: Mietmotorräder haben Pannenhilfe, aber nicht an jeder Stelle Empfang 

Geführt oder auf eigene Faust: Was passt zu Ihnen? 

Beides funktioniert, die Frage ist nur, wofür Sie im Urlaub Energie aufwenden wollen. 

Geführte Tour. Sie fahren in der Gruppe hinter einem Guide, ein Begleitfahrzeug nimmt das Gepäck, Hotels und Etappen stehen fest. Unser Partner Bike the Best ist seit 25 Jahren Premium Partner von EagleRider und setzt auf den Route-66-Touren deutschsprachige Guides ein. Für wen: für alle, die zum ersten Mal in den USA fahren, und für alle, die abends nicht noch Motels suchen wollen. 

Selbstfahrer mit Paket. Motorrad, Route und Hotels sind gebucht, Sie fahren allein und nach eigenem Tempo. Für wen: für erfahrene Fahrer mit klarer Vorstellung davon, welche Stopps sie wollen. 

Reine Motorradmiete. EagleRider nennt auf der eigenen Seite Tagesraten ab 84 US-Dollar für die reine Miete, ab 229 US-Dollar für Selbstfahrer-Pakete und ab 349 US-Dollar für geführte Touren, jeweils als Startpreise. Alles Weitere organisieren Sie selbst. Für wen: für Wiederholungstäter, die die Strecke schon kennen. 

Ein Detail, das Geld spart: Die Einweggebühr fällt bei der Übernahme in Chicago und Rückgabe in Los Angeles an. Fahren Sie die Strecke andersherum, von Los Angeles nach Chicago, entfällt sie laut Bike the Best komplett. Dieselbe Straße, dieselben Stopps, nur in umgekehrter Reihenfolge. Welche Modelle wo verfügbar sind und was die Miete im Detail umfasst, steht auf unserer Seite zum Motorrad mieten in den USA. 

 

2026 fahren Sie im Jubiläumsjahr mit 

Die Route 66 wurde 1926 als Fernstraße festgelegt und 1985 offiziell ausgemustert, sie feiert also gerade ihren hundertsten Geburtstag. Für Motorradfahrer heißt das volle Straßen an den Festwochenenden und Sonderprogramm an Orten, die sonst ein Foto lang dauern. EagleRider fährt zum Jubiläum eine auf 66 Teilnehmer begrenzte Centennial Tour über 16 Tage von Chicago zum Santa Monica Pier, Start war der 23. Juni 2026, mit Zwischenstopp beim AAA Route 66 Road Fest in Tulsa. 

Was das Jubiläumsjahr sonst noch bringt und warum der 11. November der ruhigere der beiden Geburtstage ist, steht in unserem Artikel zu 100 Jahre Route 66. Wenn Sie die Übernachtungen gleich mitplanen wollen: Die schönsten Häuser aus den Fünfzigern haben wir in Route 66 Motels zusammengestellt. Die Fotostopps, die sich vom Sattel aus besonders lohnen, finden Sie unter Route 66 Fotos. 

Ihre Tour beginnt mit einem Gespräch 

Die Route 66 ist keine Strecke, die man einmal schnell bucht. Ob Sie mit Guide fahren oder allein, ob Ost- oder Westhälfte, ob Chicago als Start oder Los Angeles wegen der entfallenden Einweggebühr, all das hängt an Ihrer Fahrpraxis, Ihrem Zeitbudget und daran, wie viele Stopps Sie wirklich sehen wollen. 

Sprechen Sie mit uns, bevor Sie das Motorrad buchen. Wir arbeiten mit Bike the Best zusammen, Premium Partner von EagleRider, und planen Ihre Route 66 Motorradtour vom Übernahmetermin bis zum letzten Motel. Eine Übersicht der kompletten Strecke finden Sie auf unserer Seite zur Route 66 Rundreise.

 

Häufig gestellte Fragen

Ja. Vermieter verlangen für die Route-66-Touren mindestens ein Jahr Fahrpraxis und ein Mindestalter von 21 Jahren. Die Strecke selbst ist überwiegend einfach, anspruchsvoll sind Hitze, Tagesetappen und der Serpentinenabschnitt über den Sitgreaves Pass. 

April bis Mai und September bis Oktober sind die verlässlichsten Fenster. Im Hochsommer werden in der Mojave Temperaturen bis 50 Grad gemessen, im Winter fällt in Chicago Schnee.

Auf den Route-66-Touren sind Harley-Davidson Touring-Modelle wie Electra Glide, Road Glide und Street Glide die Standardwahl, dazu Heritage Softail und Street Bob. Wer lieber sportlich sitzt, findet bei den Anbietern auch Reiseenduros. 

Ja. Gängig ist die Teilung in Chicago bis Albuquerque und Albuquerque bis Santa Monica. Die Westhälfte hat den größeren Landschaftsanteil, die Osthälfte die dichtere Kette an Kleinstädten. 

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