Salton Sea: Kaliforniens surrealer See zwischen Verfall und Kunst

Das Wichtigste in Kürze:

  • Entstanden 1905, als der Colorado River einen Bewässerungseinlass durchbrach, heute rund 56 Kilometer lang und 24 Kilometer breit
  • Kein Abfluss: Gespeist wird der See fast nur von Rückläufen der Landwirtschaft, sein Wasser ist deutlich salziger als der Ozean
  • Mehr als 400 Vogelarten sind hier nachgewiesen, der See ist ein zentraler Rastplatz am Pacific Flyway
  • Beste Reisezeit ist Oktober bis Mai, von Juni bis September wird es bis zu 46 °C heiß
  • Die Salton Sea State Recreation Area liegt rund 48 Kilometer südlich von Indio am Highway 111

Die Salton Sea ist der größte See Kaliforniens, entstanden 1905 durch einen Durchbruch des Colorado River, rund 56 Kilometer lang und ohne jeden Abfluss. An ihren Ufern finden Sie verlassene Ferienorte wie Bombay Beach, Kunst zwischen Ruinen, den bunt bemalten Salvation Mountain und eines der wichtigsten Vogelgebiete im Westen der USA. Am besten besuchen Sie die Salton Sea zwischen Oktober und Mai, als Tagesausflug oder Etappe ab Palm Springs.

Sie liegt da wie eine Fata Morgana, die vergessen hat zu verschwinden: eine silbrige Fläche mitten in der Colorado-Wüste, gerahmt von kahlen Bergketten, Dattelhainen und Feldern, über die im Winter Tausende Wasservögel ziehen. Am Ufer knirschen Fischgräten und Muschelsplitter unter den Schuhen, Pelikane gleiten tief über das Wasser, und hinter einem Erdwall rostet ein Wohnwagen seit den Siebzigern vor sich hin.

Wie ist die Salton Sea entstanden?

Die Salton Sea verdankt ihre Existenz einem Unfall: 1905 durchbrach der Colorado River einen Bewässerungseinlass und strömte fast zwei Jahre lang ungebremst in das Salton-Becken, eine Senke tief unter dem Meeresspiegel. Erst im Frühjahr 1907 gelang es Ingenieuren, den Durchbruch zu schließen. Zurück blieb laut dem Imperial Irrigation District ein See von rund 1.280 Quadratkilometern, dessen Spiegel etwa 60 Meter unter dem Meeresniveau lag.

Neu war Wasser in dieser Senke allerdings nicht, denn über Jahrtausende hat der Colorado das Becken immer wieder geflutet. Der letzte große Vorgänger war der Lake Cahuilla, dessen alte Uferlinien Sie am Fuß der Berge im Nordwesten des Tals noch als helle Streifen im Gestein erkennen. Der heutige See wäre durch die enorme Verdunstung längst wieder geschrumpft, hätten ihn die Farmen im Imperial und im Coachella Valley nicht jahrzehntelang mit ihrem Rücklaufwasser versorgt. So wurde aus einem Unfall ein Dauerzustand, und aus dem Dauerzustand ein Versprechen.

Als die Wüste Riviera spielte

In den 1950er Jahren entdeckten Investoren die Salton Sea als Ferienparadies, und ihre Prospekte versprachen nichts weniger als eine Riviera mitten in der Wüste. Wasserski, Motorbootrennen und Angeln lockten Wochenendgäste aus Los Angeles an, nachdem die Fischereibehörde Anfang der Fünfziger Speisefische aus dem Golf von Kalifornien eingesetzt hatte. Am Nordufer entstand Ende des Jahrzehnts der North Shore Beach and Yacht Club nach Plänen des Modernisten Albert Frey. Das Clubhaus sieht mit Bullaugen, Reling und Brückendeck selbst aus wie ein vor Anker gegangenes Schiff.

Noch größer dachte der Bauunternehmer M. Penn Phillips am Westufer, wo er für Salton City laut dem Center for Land Use Interpretation rund 400 Kilometer Straßen auf einem Gelände von etwa 77 Quadratkilometern anlegen ließ. Wer heute durch Salton City fährt, rollt über Asphalt, der für eine Großstadt gedacht war, und sieht auf vielen Parzellen nur Sand, Kreosotbüsche und verblichene Schilder mit der Aufschrift „For Sale“.

USA-Experten-Tipp: Das Frey-Clubhaus am Nordufer ist heute ein Gemeindezentrum und seit 2015 im National Register of Historic Places eingetragen. Wenn Sie in Palm Springs die Architektur der Moderne lieben, ist es der ideale erste Stopp am See, denn Frey hat auch die Talstation der Palm Springs Aerial Tramway entworfen.

Was ist aus den Ferienorten geworden?

Die Ferienorte an der Salton Sea scheiterten zugleich an zu viel und an zu schlechtem Wasser. 1976 und 1977 brachten die Tropenstürme Kathleen und Doreen Rekordregen ins Imperial Valley, der Seespiegel stieg, und ufernahe Straßenzüge liefen voll. In Bombay Beach schüttete man einen Schutzwall um den Ort, doch alles auf der Seeseite versank langsam im Schlamm, und den North Shore Yacht Club schloss man 1984 nach Überschwemmungsschäden endgültig.

Dazu kam ein Problem, das bis heute bleibt: Weil der See keinen Abfluss hat, reichern sich Jahr für Jahr mehr Salz und Dünger im Wasser an. Laut IID entziehen Algenblüten dem Wasser den Sauerstoff, immer wieder kam es zu Fischsterben, deren Überreste die Strände bedeckten, und aus Wasserskiläufern wurden Wegziehende. Übrig blieb ein harter Kern von Menschen, die bleiben wollten oder mussten, und Bombay Beach zählte bei der Volkszählung 2020 noch 231 Einwohner.

Bombay Beach: Wie aus einem Geisterort ein Kunstlabor wurde

Bombay Beach ist heute vor allem wegen seiner Kunst bekannt, denn seit 2015 verwandelt die Bombay Beach Biennale den halb verlassenen Ort in eine Freiluftgalerie. Die Organisatoren verzichten ausdrücklich auf Tickets und Kommerz. Die Saison beginnt jeweils am 1. Januar mit wöchentlichen Workshops, Lesungen und Vorführungen und endet mit einem großen Wochenende im Frühjahr, dessen Datum nur per Mundpropaganda weitergegeben wird. Das Ziel war von Anfang an doppelt: Kunst jenseits von Galerien und Messen zeigen und zugleich den Blick auf die ökologische Krise der Salton Sea lenken.

Viele Arbeiten bleiben nach der Saison stehen und verändern das Ortsbild dauerhaft. Zwischen Trailern mit Kakteengarten und ausgebrannten Häusern tauchen Skulpturen auf, am Ufer ragen Installationen aus dem Schlick, und die Grenze zwischen Kunstwerk und Ruine verschwimmt so sehr, dass man oft zweimal hinschaut.

Bei aller Fotogenität sollten Sie im Kopf behalten, dass hier Menschen leben, und die Biennale nennt Respekt vor der Gemeinschaft selbst als Grundsatz. Das heißt für Besucher: keine privaten Grundstücke betreten, Bewohner nicht ungefragt fotografieren und lieber im Ort einen Kaffee trinken, als nur kurz die Drohne steigen zu lassen.

Salvation Mountain und Slab City: Lohnt der Abstecher?

Der Abstecher lohnt sich, denn nur wenige Kilometer östlich des Sees steht mit dem Salvation Mountain eines der bekanntesten Werke der Outsider Art in den USA. Leonard Knight, laut Congressional Record einst Schneeschaufler aus Vermont, begann 1984, einen Hügel am Wüstenrand mit Lehm, Stroh und gespendeter Farbe zu gestalten. Die erste Version brach 1989 nach einem Regensturm in sich zusammen, doch Knight fing einfach von vorn an. Er arbeitete fast drei Jahrzehnte weiter, bis er 2011 in eine Pflegeeinrichtung zog, und starb im Februar 2014 mit 82 Jahren.

Heute misst der Berg laut offizieller Website rund 15 Meter in der Höhe und 46 Meter in der Breite. Er ist übersät mit Bibelversen, Blumen, gemalten Wasserfällen und der immer wiederkehrenden Botschaft „God Is Love“. Senatorin Barbara Boxer würdigte ihn am 15. Mai 2002 im Kongress als visionäre Skulptur, und seit Knights Tod halten Freiwillige die Farben frisch. Ein gelb bemalter Pfad führt nach oben, von wo der Blick über die flirrende Ebene bis zum See reicht.

Direkt dahinter beginnt Slab City, benannt nach den Betonplatten des Marinestützpunkts Camp Dunlap, der 1942 eröffnet und laut US Army Corps of Engineers bis 1956 abgebaut wurde. Auf den Fundamenten haben sich Aussteiger, Wintergäste mit Wohnmobil und Künstler niedergelassen, darunter die Macher des Skulpturengartens East Jesus, der aus Schrott und Fundstücken besteht. In der Beratung fragen uns Reisende häufig, ob man Slab City bedenkenlos besuchen kann. Wir raten dazu, tagsüber zu kommen, auf den Hauptwegen zu bleiben und die Bewohner als Gastgeber zu behandeln, nicht als Kulisse.

Für wen: Neugierige, Fotografen und alle, die das Unangepasste an Amerika sehen wollen. Wer Ordnung, Infrastruktur und saubere Toiletten erwartet, bleibt beim Salvation Mountain und fährt nicht tiefer nach Slab City hinein.

Warum machen Vogelbeobachter an der Salton Sea Station?

Die Salton Sea ist trotz aller Probleme einer der wichtigsten Rastplätze für Zugvögel im Westen der USA. Der Grund: Kalifornien hat laut US Fish & Wildlife Service 90 bis 95 Prozent seiner natürlichen Feuchtgebiete verloren. Mehr als 400 Vogelarten sind hier nachgewiesen, das Pacific Institute zählt über 420 und damit den zweithöchsten Wert des ganzen Landes. Historisch zogen bis zu 95 Prozent aller nordamerikanischen Schwarzhalstaucher und 90 Prozent der Nashornpelikane über den See.

Der beste Ort zum Beobachten ist das Sonny Bono Salton Sea National Wildlife Refuge am Südende, gegründet 1930 und 1998 dem verstorbenen Kongressabgeordneten Sonny Bono gewidmet. Es liegt 69 Meter unter dem Meeresspiegel und gehört zu den heißesten Orten der USA, was Sie im Winter kaum stört, im Sommer aber umso mehr. Vom Besucherzentrum führt der Rockhill Trail auf rund 3,2 Kilometern hin und zurück auf einen kleinen Vulkankegel. Oben schauen Sie über Schilfmarschen, Uferlinie und die Roggengrasfelder, die das Refuge eigens als Winterfutter für Gänse und Enten anbauen lässt.

Hat die Salton Sea eine Zukunft?

Die Salton Sea schrumpft, doch Kalifornien baut inzwischen im großen Stil dagegen an. Seit das Imperial Valley Wasser an San Diego County abgibt, erreicht weniger Rücklauf den See, und laut IID lagen 2022 bereits rund 109 Quadratkilometer ehemaliger Seeboden trocken. Dieser Boden ist stark salzhaltig und möglicherweise belastet, bei Wind wird er zu Staub, der die ohnehin schlechte Luft im Imperial und Coachella Valley weiter verschlechtert. Langfristig rechnet der IID damit, dass sich der See auf der Größe von 1920 einpendelt.

Das staatliche Salton Sea Management Program soll bis 2028 rund 121 Quadratkilometer mit Lebensräumen und Staubschutz versehen. Laut Projekt-Dashboard sind davon etwa 19 Quadratkilometer fertig und 32 weitere im Bau (Stand: September 2026). Herzstück ist das Species Conservation Habitat am Südende, dessen erste große Teiche laut Jahresbericht 2026 der California Natural Resources Agency im Jahr 2025 geflutet wurden und bereits wieder Fische und Vögel anziehen.

Der zweite Hoffnungsträger liegt tief unter dem See, denn die heißen Solen der Geothermiekraftwerke am Südufer enthalten laut der California Energy Commission die höchsten Lithiumkonzentrationen aller bekannten Geothermie-Solen weltweit. Die Region wird deshalb als „Lithium Valley“ vermarktet, kommerziell gewonnen wird dort aber noch nichts, weil mehrere Projekte an Klagen, Finanzierung und niedrigen Lithiumpreisen hängen (Stand: September 2026). Ob aus dem weißen Metall der Neubeginn wird, den die Region sich erhofft, entscheidet sich frühestens in einigen Jahren.

Wie planen Sie einen Besuch an der Salton Sea?

Die Salton Sea besuchen Sie am besten von Oktober bis Mai, weil die Temperaturen dann laut California State Parks zwischen etwa 10 und 21 °C liegen. Von Juni bis September klettert das Thermometer dagegen auf bis zu 46 °C. Von Palm Springs erreichen Sie das Nordufer in weniger als einer Stunde, bis zum Salvation Mountain sind es rund anderthalb Stunden. Die klassische Runde führt über den Highway 86 am Westufer nach Süden und über den Highway 111 am Ostufer zurück.

Für einen Tag am See hat sich diese Reihenfolge bewährt:

  • Morgens: Besucherzentrum der Salton Sea State Recreation Area bei Mecca, täglich 9 bis 16 Uhr, 7 US-Dollar Tagesgebühr pro Fahrzeug (Stand: September 2026), danach der North Shore Yacht Club
  • Vormittags: Bombay Beach mit Kunst und Uferweg
  • Mittags: Salvation Mountain und ein Blick nach Slab City
  • Nachmittags: Sonny Bono Refuge mit Rockhill Trail, zurück über Westmorland und Salton City

In unseren Reiseplanungen sehen wir oft, dass die Salton Sea als Hin-und-zurück-Ausflug ab Palm Springs eingeplant wird und dann zwischen zwei Hotelnächten zu kurz kommt. Wir empfehlen deshalb, den See als Etappe auf dem Weg nach San Diego einzubauen und dabei den Anza-Borrego Desert State Park mitzunehmen.

Packen Sie reichlich Wasser, Sonnenschutz und ein Fernglas ein und tanken Sie vorher in Indio oder Brawley, weil die Versorgung am Ufer dünn ist. Auf die Frage nach dem berüchtigten Geruch gibt es eine ehrliche Antwort: Je nach Wind und Jahreszeit riecht es nach Fisch und Algen. Das Pacific Institute erklärt das nüchtern mit dem Überfluss an Leben und Tod im See.

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Weitere Routen zwischen Pazifik und Wüste finden Sie in unserem , und wer mit Kindern unterwegs ist, bekommt Ideen in unserem Artikel dazu.

Häufig gestellte Fragen

In der Salton Sea State Recreation Area ist Schwimmen erlaubt. Das Wasser ist allerdings sehr salzig und nährstoffreich, im Sommer kommt es zu Algenblüten, und laut IID ist der See über Hunderte Meter vom Ufer nur 30 bis 90 Zentimeter tief.

Der Geruch entsteht durch Algen, Fische und abgestorbenes organisches Material im nährstoffreichen Wasser. Je nach Wind und Temperatur ist er kaum wahrnehmbar oder sehr deutlich.

Das Nordufer erreichen Sie von Palm Springs in weniger als einer Stunde. Bis zum Salvation Mountain an der Ostseite fahren Sie rund anderthalb Stunden.

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