Nashville Sehenswürdigkeiten: mehr als Cowboyhut und Gitarre 

Die drei Orte, an denen sich Nashville wirklich erklärt, sind das Ryman Auditorium, die Studios der Music Row und das Bluebird Cafe, nicht die Neonschilder an der Lower Broadway. Wer nach Nashville Sehenswürdigkeiten sucht, landet trotzdem zuerst bei Cowboystiefeln, Partybussen und einer Gitarrenwand im Souvenirladen. Das hat sich die Stadt selbst eingebrockt, sie verkauft dieses Bild seit Jahrzehnten erfolgreich. Nashville kann aber deutlich mehr, und Sie merken das spätestens an dem Abend, an dem ein Songwriter vier Meter vor Ihnen erzählt, warum er diesen einen Refrain dreimal umgeschrieben hat. 

Music Row: Wo die Songs entstehen, bevor sie im Radio laufen 

Music Row ist kein Museumsviertel, sondern ein Arbeitsplatz. Rund um die 16th und 17th Avenue South, offiziell Music Square East und Music Square West, sitzen Plattenfirmen, Musikverlage, Lizenzagenturen und Tonstudios in umgebauten Wohnhäusern und unscheinbaren Bürobauten. Wer hier eine Sehenswürdigkeit im klassischen Sinn erwartet, steht erst einmal ratlos vor Vorgärten. Genau das ist der Reiz: In diesen Bungalows wird der Katalog geschrieben, aus dem später die Hits kommen. 

Sichtbar sind die Skulptur „Musica” im Kreisverkehr an der Kreuzung Demonbreun Street, Division Street und 16th Avenue South sowie der Owen Bradley Park mit der Bronzestatue des Produzenten. Von innen sehen Sie genau ein Haus, und das lohnt sich: das historische RCA Studio B in der Roy Acuff Place 1611. Es ging 1957 in Betrieb und wurde 1977 als aktives Studio geschlossen. In diesen zwei Jahrzehnten entstanden dort über 47.000 Aufnahmen, nach Angaben des Country Music Hall of Fame rund 60 Prozent der Country-Hits, die es in dieser Zeit in die Billboard-Charts schafften. Elvis Presley allein nahm hier mehr als 200 Songs auf. 

Eine Kleinigkeit, die fast jeder Reiseartikel falsch wiedergibt: „Heartbreak Hotel” entstand nicht im Studio B, sondern 1956 im älteren RCA-Studio an der McGavock Street. Das Studio B öffnete erst ein Jahr später. 

Besichtigen können Sie es nur über das Country Music Hall of Fame and Museum, das den Raum seit 1992 betreibt und die Besucher von der Innenstadt hinüberfährt. Das Museum an der 222 Rep. John Lewis Way South öffnet täglich von 9 bis 17 Uhr und kostet 31,95 US-Dollar für Erwachsene ab 13 Jahren sowie 21,95 US-Dollar für Kinder von 6 bis 12 Jahren. Das Kombiticket mit der geführten Studio-B-Tour liegt bei 54,95 beziehungsweise 44,95 US-Dollar, als Zubuchung kostet die Studiotour 23 US-Dollar. Das Museum selbst nennt 11 bis 14 Uhr als seine vollste Zeit, wer früh kommt, hat die Vitrinen eine Weile fast für sich. 

USA-Experten-Tipp: Buchen Sie die Studio-B-Tour zusammen mit dem Museumsticket und legen Sie sie auf den Vormittag. Die Gruppen sind klein, und der Raum wirkt deutlich anders, wenn danach noch Zeit für die Ausstellung bleibt. 

Welche Honky Tonks an der Broadway lohnen sich wirklich? 

Die Honky Tonk Highway ist der Abschnitt der Lower Broadway zwischen 1st und 5th Avenue, und ihr großer Vorzug ist zugleich ihr größtes Missverständnis: Die Läden verlangen keinen Eintritt. Sie gehen rein, Sie gehen wieder raus, Sie hören auf hundert Metern vier Bands. Die Musiker leben dabei vom Trinkgeld, der Eimer auf der Bühne ist keine Dekoration. Wer eine Stunde bleibt und zwei Songs mitgesungen hat, sollte etwas hineinlegen. 

Zwei Adressen heben sich aus dem Neonteppich heraus. Tootsie’s Orchid Lounge an der 422 Broadway kaufte Hattie Louise „Tootsie” Bess im Jahr 1960, damals hieß der Laden noch Mom’s. Die orchideenfarbene Fassade war ein Versehen, der beauftragte Maler hatte auf eigene Faust zu diesem Ton gegriffen, und Tootsie behielt ihn einfach. Weil die Bar direkt hinter dem Ryman Auditorium liegt, tranken dort Roger Miller, Willie Nelson, Kris Kristofferson, Faron Young, Patsy Cline und Loretta Lynn zwischen ihren Auftritten. Die Fotos an der Wall of Fame sind genau deshalb echt und nicht dekoriert. Songwriter Tom T. Hall beschrieb Tootsie später als kleine Finanzierungsgesellschaft, Bookingagentur und Seelsorgerin in einer Person. 

Robert’s Western World ein paar Türen weiter war erst Gitarrenwerkstatt, dann Westernstiefelladen, und im Regal an der Wand stehen die Stiefel bis heute. Die Hausband spielt klassischen Honky-Tonk-Country statt aktueller Radiohits, was den Laden von den großen Promi-Bars mit Dachterrasse unterscheidet. 

Für wen: Wer den Broadway einmal ohne Junggesellenabschiede erleben will, kommt zwischen 11 und 16 Uhr. Die Bands sind dieselben, die Lautstärke ist es nicht. 

Ryman Auditorium: die Kirche, in der Country
erwachsen wurde
 

Der schönste Konzertsaal der Stadt war nie als Konzertsaal gedacht. Der Flussdampfer-Kapitän Thomas Ryman ließ ihn 1892 als Union Gospel Tabernacle bauen, nachdem ihn der Prediger Samuel Porter Jones bekehrt hatte, und erst 1944 bekam das Haus seinen heutigen Namen. Die Kirchenbänke stehen noch, das Holz knarzt, und die Akustik gilt bis heute als eine der besten in den Vereinigten Staaten. Von Juni 1943 bis März 1974, also knapp 31 Jahre lang, wurde die Grand Ole Opry von dieser Bühne gesendet, was dem Ryman den Beinamen „Mother Church of Country Music” eintrug. 

Tagsüber können Sie das Haus auf eigene Faust erkunden, täglich von 9 bis 16 Uhr. Die selbstgeführte Tour dauert eine Stunde und kostet 25 US-Dollar zuzüglich Steuer, Kinder bis 12 Jahre kommen in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen kostenlos mit. Die geführte Backstage-Tour über anderthalb Stunden liegt bei 42,52 US-Dollar, die zweistündige VIP-Variante bei 62,02 US-Dollar. 

Spannender ist der Blick in den Spielplan, denn die Opry kehrt jedes Jahr zurück. Seit 1999 gibt es „Opry at the Ryman”, einen dreimonatigen Winterlauf von November bis Januar, in dem die Show wieder an ihrem alten Ort stattfindet. Den Rest des Jahres spielt sie im Grand Ole Opry House an der 600 Opry Mills Drive, gut zwanzig Autominuten außerhalb der Innenstadt. Auch dort gibt es Backstage-Touren, von der 50-minütigen Tagestour für 46,65 US-Dollar bis zur VIP-Tour in Kleingruppen für 88,34 US-Dollar. Die Post-Show-Tour für 45,00 US-Dollar setzt ein Showticket voraus. 

Nashville ohne Musik: Viertel, Essen und ein
Parthenon aus Beton
 

Nashville hat einen zweiten Stadtplan, auf dem keine Bühne eingezeichnet ist. Germantown nördlich der Innenstadt wurde 1865 von deutschen Einwanderern besiedelt, und das Viertel pflegt die Herkunft bis heute mit einem Oktoberfest am ersten Oktoberwochenende. Dazwischen liegen der Nashville Farmers’ Market, das Tennessee State Museum und eine Restaurantdichte, die mit dem Broadway wenig zu tun hat. 

12 South ist eine halbe Meile Ladenzeile entlang der 12th Avenue South, East Nashville liegt auf der anderen Seite des Cumberland River und feiert im zweiten Augustwochenende seinen Tomato Fest mit Parade, Konzerten und Kunst. In Wedgewood-Houston, einem ehemaligen Industrieviertel, ist aus den Houston-Station-Gebäuden von 1885 ein Kunst- und Gastroquartier geworden. Wer Dive Bars mag, findet in East Nashville mit Dino’s nach eigener Aussage die älteste der Stadt. 

Dass ausgerechnet Nashville einen maßstabsgetreuen Nachbau des Parthenon besitzt, klingt nach Schnapsidee und ist eine: Das Gebäude im Centennial Park entstand 1897 zur Tennessee Centennial Exposition und blieb einfach stehen. Drinnen steht eine knapp 13 Meter hohe Athena-Statue, dazu hängt eine Sammlung von 63 amerikanischen Gemälden. 

Das kulinarische Wahrzeichen ist schärfer. Hot Chicken geht auf Thornton Prince zurück, dessen Familie das Gericht seit den 1930er Jahren serviert, heute geführt von seiner Großnichte André Prince Jeffries. Das Grundprinzip hat sich nie geändert: frittiertes Hähnchen mit einer Paste aus Cayennepfeffer und Fett, serviert auf zwei Scheiben Weißbrot mit Gewürzgurken. Das Weißbrot ist kein Beilagenscherz, es saugt das Fett auf. 

Muss man Country mögen, um Nashville zu mögen? 

Nein, und das ist die ehrlichste Antwort auf die häufigste Frage zu dieser Stadt. Nashville ist eine Musikstadt, nicht eine Country-Stadt, der Unterschied ist größer als das Klischee vermuten lässt. 

Das National Museum of African American Music an der 598 Broadway erzählt die Geschichte von Gospel, Blues, Jazz, R&B und HipHop und liegt keine drei Minuten von den Honky Tonks entfernt.  

Im Station Inn an der 402 12th Avenue South spielen seit über 45 Jahren Bluegrass-, Americana- und Roots-Bands, sieben Abende die Woche, in einem Saal, in dem Reden während der Musik verpönt ist. Und im Bluebird Cafe im Stadtteil Green Hills sitzen drei bis vier Songwriter „in the round” in der Mitte des Raums, spielen im Wechsel und erzählen zwischen den Stücken, wie die Songs entstanden sind, die andere später berühmt gemacht haben. 

Der Haken am Bluebird ist die Größe: Der Laden hat weniger als 20 Tische. Reservierungen laufen ausschließlich über bluebirdcafe.com, maximal sechs Plätze pro Bestellung, und der Name auf der Buchung muss mit dem Ausweis übereinstimmen. Shows von Montag bis Donnerstag werden jeweils eine Woche vorher um 8 Uhr Ortszeit freigeschaltet, die Shows von Freitag bis Sonntag am Montag derselben Woche zur gleichen Uhrzeit. Pro Person gilt ein Mindestverzehr von 15 US-Dollar. Ohne Reservierung bleiben meist 10 bis 12 Plätze, die beim Türöffnen vergeben werden, beim Open Mic am Montag um 18 Uhr gibt es ausschließlich diese Variante. 

USA-Experten-Tipp: Setzen Sie sich den Freischalttermin in den Kalender, bevor Sie den Flug buchen. Ein Bluebird-Abend lässt sich nicht nachholen, ein Broadway-Abend jederzeit. 

Wie viele Tage braucht Nashville? 

Zwei bis drei Nächte, und zwar aus einem sehr praktischen Grund: Die interessantesten Dinge in Nashville finden abends statt und schließen sich gegenseitig aus. Der Bluebird-Abend, die Opry und ein Streifzug über die Honky Tonk Highway lassen sich nicht stapeln, weil alle drei zur gleichen Zeit beginnen. Mit einer einzigen Nacht entscheiden Sie sich also faktisch für eines von drei Nashvilles. 

Tagsüber kommen Sie zu Fuß weit, die Innenstadt ist kompakt. Für die Wege nach Green Hills, zum Opry House oder in die Außenviertel fährt WeGo Public Transit: Eine Einzelfahrt kostet 2,00 US-Dollar, das Tagesticket 4,00 US-Dollar, gezahlt wird kontaktlos oder passend in bar. Ein Mietwagen ist in Nashville selbst eher Ballast, für die Weiterfahrt durch Tennessee dagegen unverzichtbar. 

Nashville als Teil einer größeren Reise 

Nashville funktioniert als Städtetrip, entfaltet seine Wirkung aber erst im Zusammenhang einer Tennessee Rundreise. Memphis liegt gut drei Autostunden westlich und erzählt mit Sun Studio und Stax dieselbe Musikgeschichte aus einer anderen Richtung. Östlich beginnen die Great Smoky Mountains, südlich führt der Weg nach Alabama und weiter Richtung Golfküste. Wer Nashville in eine Südstaaten & Texas Rundreise einbaut, bekommt den Kontrast zwischen Musikstadt, Kleinstadt-Süden und Landschaft, der die Region ausmacht. 

Sie wissen, dass Sie nach Nashville wollen, aber nicht, wie viele Tage sinnvoll sind und was drumherum passt? Genau dafür sind wir da. Erzählen Sie uns, was Sie hören wollen, wir bauen die Route darum herum.

Häufig gestellte Fragen

Zwei bis drei Nächte. Die Highlights Bluebird Cafe, Grand Ole Opry und Honky Tonk Highway finden alle abends statt und lassen sich nicht an einem Tag kombinieren.

Die meiste Zeit des Jahres im Grand Ole Opry House an der 600 Opry Mills Drive. Von November bis Januar kehrt die Show für den Winterlauf „Opry at the Ryman” ins Ryman Auditorium zurück. 

Ja, aber nur über eine geführte Tour des Country Music Hall of Fame and Museum. Das Kombiticket kostet 54,95 US-Dollar für Erwachsene, die Studiotour als Zubuchung 23 US-Dollar. 

Ja. Das National Museum of African American Music, die Bluegrass-Abende im Station Inn und die Songwriter-Runden im Bluebird Cafe decken ein breites Spektrum ab, dazu kommen Viertel wie Germantown, 12 South und East Nashville. 

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